Heimatspaziergang: Closing Time in der Deutschlandhalle
Wir bitten alle Mitglieder, Eltern und Unterstützer des ECC Preussen Juniors sich spätestens um 17.30 Uhr vor der Deutschlandhalle einzufinden und so gemeinsam für den Erhalt der Deutschlandhalle Flagge zu zeigen.
Preussen geben niemals auf !
Doch der Reihe nach...
Zur West-Berliner Geschichte der Deutschlandhalle weiß Wikipedia zu berichten:
Bei einem Luftangriff im Januar 1943 wurde das Gebäude zerstört. Nach dem Kriegsende wurde es wieder aufgebaut und war von 1957 an als West-Berlins größte Konzerthalle Veranstaltungsort von Shows wie „Holiday on Ice“, „Menschen, Tiere, Sensationen“ und dem „British Tattoo“. Sie war Vorreiter bei Hallenfußballturnieren und immer wieder Boxarena für Muhammad Ali und andere Boxlegenden. 1995 war sie die Spielstätte des Basketball-Europapokalsiegs von Alba Berlin. Unter anderem The Rolling Stones, The Who, Johnny Cash, Queen und Jimi Hendrix haben hier gespielt, aber auch Herbert Grönemeyer und Gianna Nannini. David Bowie hatte in dem Film Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo einen Auftritt in der Deutschlandhalle.
1997 wurde die Halle abermals geschlossen, und der Berliner Senat plante zunächst, sie abreißen zu lassen, da die notwendige Sanierung zu teuer war. Die Halle wurde letztlich jedoch aufwendig renoviert und umgebaut und steht seit dem 15. August 2001 wieder für Großveranstaltungen zur Verfügung.
Mit einer Eisfläche von 30 × 60 Meter und 8764 Zuschauerplätzen verfügen die Berliner Eishockey-Profis und ihre Fans sowie zahlreiche, im Berliner Eissport-Verband organisierte, Amateurvereine damit über eine angemessene und moderne Eissportanlage.
2005 wurde die Deutschlandhalle erneut geschlossen, da bei einer Routineprüfung festgestellt wurde, dass das Dach dringend erneuert werden musste. Im März 2006 wurde die Halle dann wieder für den Eishockeysport geöffnet und ist bisher Heimat des ECC Preussen Juniors Berlin.
Am 27.Mai 2008 beschloss der Berliner Senat endgültig, die Deutschlandhalle abzureißen und den Neubau einer Eishalle zu errichten.Die Deutschlandhalle war nach dem aus vielfältigen Gründen bedauerten wie kritisierten Abriss des Sportpalastes einer der zentralen Veranstaltungsorte in West-Berlin. Neben den Showveranstaltungen fanden hier Sportveranstaltungen statt wie das Internationale Hallenfußballturnier oder die legendären und immer noch populären, heute im öffentlichen Ostberliner Ärgernis und Milliardengrab Velodrom gastierenden Berliner Sechstagerennen. Keine Sorge: Eine ausführliche Würdigung verrückter Eis(hockey)zeiten in West-Berlin wird es hier ein anderes Mal geben. Wie erwähnt war die Halle Spielstätte der Berlin Capitals, des früheren BSC Preussen, zunächst bis zu deren Insolvenz bedingten Zwangsabstieg aus der DEL 2002. Es fällt auf, dass bereits damals die Berliner Morgenpost titelte:
Auch wenn sich die Vorzeichen seitdem ein wenig gewandelt haben, sei hier noch einmal der damalige Artikel von Andreas Lorenz wiedergegeben, der sich am Beispiel einer einmaligen Institution des Berliner Profi- und Eishockeysports auch als zeitloser Abgesang auf jenes West-Berlin, das es nicht mehr gibt, lesen lässt:
Die von der Pleite bedrohten Berlin Capitals sind ein Symbol für jenes West-Berlin, das es nicht mehr gibt.
Oben im Rang hängt noch das alte Preisschild an der Garderobe. 2,80 Mark. Euro?, Ach, vergiss es. 32 Reihen mit je 34 leeren Haken macht 1088 Mal nichts. Trostlos. Das verlotterte Ambiente der ehemals glanzvollen Deutschlandhalle eines ehemals glanzvollen Inselstaates. Unten läuft ein Eishockey-Spiel. Und durch die offenen Klapptüren tönt es: "Fürchtet euch nicht. Denn hier - regiert - der BSC.
Es ist, wenn kein Wunder passiert, das letzte Heimspiel der Berlin Capitals. Jenes Vereins, der im April 1983 als BSC Preussen gegründet wurde und immer der BSC Preussen geblieben ist. Eventuell wird den Capitals, die auch mal Devils hießen, morgen die Lizenz für die Deutsche Eishockey-Liga entzogen. Oder sie gehen einfach ein paar Tage später Pleite. Insolvenzanträge laufen. Geld ist keines da. Wenn kein Wunder passiert, dann war es das mit Spitzen-Eishockey. Wunder sind selten geworden in diesem Teil Berlins, der immer noch West-Berlin ist.
Die Preussen/Devils/Capitals sind das wegsterbende West-Berlin in einer Nussschale. Oder in einem Schuhkarton - genau so wurde die Eishalle Jafféstraße genannt, in der die Preussen/Devils/Capitals 18 ihrer 19 Jahre spielten. Und die inzwischen abgerissen ist, um Platz zu schaffen für einen neuen Eingang der Messe. Eishalle Jafféstraße - sah aus wie ein Schuhkarton, roch genauso. Und bis zum Bersten stecken die Erinnerungen drin. Wie in der Kiste mit den Urlaubsfotos, den Flugtickets und Andenken, die man Umzug für Umzug mitschleppt.
Otti der Trommler stand dort oben über den teuren Plätzen. Freundschaften fürs Leben, oder auch nur fürs Leben gedacht, entstanden dort unterm Funkturm. Manche sind immer noch und bis zuletzt hingegangen. Andere haben irgendwann aufgehört. Wenn jetzt Eishockey-Spieler an die Bande knallen und die Tor-Sirene heult, sitzen sie,zu Hause und spielen j Canasta. Aber wenn sie ehrlich sind, denken sie immer noch zurück an die Zeiten bei den Preussen.
Die Preussen, das waren immer schon Herren (und Damen) der "High Snobiety", die ihre dünnen Lederjäckchen bei Mientus oder Selbach kaufen. Und Freitagnachmittag am Champagner-Stand im KaDeWe flöten: "Ein Moetchen geht immer. Wenn sie von den teuren Plätzen aus applaudierten, klang das immer ein bisschen so, als wür-den sie die goldenen Kreditkarten aneinander reiben.
Die Preussen, das waren aber auch immer schon die Normalos, die ihre Jeans zweimal im Jahr bei "Woolworth" abstauben. WSV und SSV bei "Wulle", Feiertage für die ganze Familie. Und wenn sie von den Stehplatzrängen brüllten, brüllte Mariacron immer mit.
Echte Fans, unenttäuschbar treue Fans gibt es in beiden Kategorien. Unverbesserliche Optimisten, die tagsüber Porsche oder Häuser verkaufen, dann aber in Denkmal geschützten Grunewald-Villen Nächte lang Rettungskonzepte aufstellen. Und, viel größer in der Anzahl natürlich, die Hoffenden außerhalb des Vip-Raums. Die, die Geschenkkörbe auf die Geschäftsstelle brachten, als im vergangenen Sommer der Lizenzentzug drohte und mit einer eigentlich wertlosen, aber mit Tipp-Ex sauber hinfrisierten Fax-Kopie einer Millionen-Überweisung abgewendet wurde. Die Caps/Devils/Preussen sind und waren West-Berlin, wie es leibt und über seine Verhältnisse lebt. Nie wurde aufgeräumt. Nie wurde auch nur annähernd so wenig Geld ausgegeben, wie wirklich in die Kasse kam. Immer von der Hand in den Mund, aber nie genug kriegen. Und immer die Klappe aufreißen. Sechsmal Halbfinalist, so rühmt sich der Verein. Dabei hatte er Mitte der 90er Jahre die teuerste Mannschaft der Republik. Über acht Millionen Mark Gehaltsetat. Meister hätten sie werden müssen, die Herren Stars, von denen der teuerste 950 000 Mark für die acht Monate dauernde Saison kassierte. Sechsmal Halbfinale - heute noch soll es welche geben, die darauf stolz sind. Und Schaum vor den Mund bekommen, wenn die Ost-Berliner Rivalen des EHC Eisbären mit der Gnade ihrer einstmals aus zwei Teams bestehenden DDR-Liga brüllen: "Wir waren Meister und ihr nicht."
In Block 51 sitzt ein Typ mit einem Rauschebart und weißem Anzughemd unter dem Jackett. Einer der aussieht, als hätte er die 70er Jahre im Zwiebelfisch am Savignyplatz durchgemacht. Und die 80er und 90er obendrein. Rechts von ihm, ganz vorne an der Brüstung, gibt Lechl den Beat vor. Mit einer Pauke und zwei Schlegeln. Wenn er wieder mal die Stehplatztribüne zum Beben gebracht hat, drehen sich die da unten um und brüllen: "Danke, Lechl, danke." Und dann legt der sich erst richtig ins Zeug, dass die beiden grünen Drachen, die auf seine Unterarme tätowiert sind, zu tanzen beginnen. Das Finale ist der Takt zum Sportpalast-Walzer - und die da unten pfeifen, als wäre Krücke wieder auferstanden.
Auf der Stahlrohrtribüne stehen sie alle, um Abschied zu nehmen. Die Nummer 8, der unvergleichliche Vorwärtsverteidiger Tom O'Regan, der neben der Hartgummischeibe auch mal gerne des Gegners Mundschtz polierte. Die Nummer 33, Toni "Tante" Tanti, Torjäger der Extraklasse. Die 22 natürlich, John Chabot, Halbindianer, der mit dem Puck tanzte. Und die 16. Die große 16. Schorsch Holzmann, dessen Trikot mal als ultimative Ehrung unters Hallendach gehängt wurde - und beim Abriss der Eishalle Jafféstraße spurlos verschwand. Natürlich ist keiner von denen da, aber die Fans tragen immer noch ihre Trikots. Ein Fan vergisst nicht. Auch nicht, wenn die Spieler schneller wechseln als die Talk-Show-Kasper im Nachmittagsfernsehen.
Ganz vorne, man spürt den Hauch des Eises, steht ein Caps-Ahänger mit der Nummer 55 auf dem Rücken. Vermutlich sein Baujahr. Neben ihm seine Frau, in Zivil. Da wirst Du nie was dran änern, Schatz. Aber die Tochter, ziemlich genau halb so alt wie dieser Verein, zu dem Papi immer rennt, hat auf dem grauen Kapuzensweater ein Bild von Torhüter Andrej Mezin. Ronny Arendt schießt 6:3. Papi gibt Mutti ein Küsschhen, und der Kleinen auch. Wie viele Küsse in diesen ganzen Jahren? Wie viel Lächeln? Wie viel
Zeit zwischen den Spielen? Es steht 9:4, der höchste Saisonsieg der Caps - für nichts und wieder nichts. Nicht einmal mehr für die Seele. "Es laufen die letzten zwei Spielminuten", sagt Hallensprecher Detlev Minter, der auch zum Inventar zählt. Seine Worte lassen die Dämme brechen.
Drei Mädels weinen, drei Mädels putzen sich gegenseitig die Tränen von den Wangen. Wenn man nicht selbst beinahe am Heulen wäre, könnte das Terzett der Trauer sogar komisch wirken. Aber dann knallt ein Typ seinen Sechser-Träger mit Pfandbechern an die Wand, das Bier spritzt und der capitale Brocken fällt seinen Kumpeln schluchzend in die Arme. Wo sind sie jetzt, diese schmierigen Typen, die diesen Klub kaputtgewirtschaftet haben. Können sie gut schlafen heute Nacht? Kommen sie morgen früh am Badezimmerspiegel vorbei, ohne sich übergeben zu müssen? Vermutlich ja. So ist es, wenn Pack den Puck regiert. "Banghard, gib die Preussen frei", brüllen die Fans in ihrer Verzweiflung. Aber Klub-Besitzer Egon Banghard, der Erfinder der "Nächste Woche gibt es Geld"-Ausrede, ist, nicht da.
Lenz Funk steht im Gang zur Vip-Tribüne. Sitzen kann er nicht. Ist viel zu aufgewühlt. Die Narben in seinem Gesicht erzählen jedes seiner 225 Länderspiele. Lenz, der Bulle aus Tölz, der immer da war und alles erlebt hat. Und abends im Haxenwirt allen erzählt hat, was er alles erlebt hat. Gründung, verpasster Aufstieg, Aufstieg, Trainerdasein, Trainerentlassung, Seitenwechsel zu den Eisbären, Rückkehr, Krisen, Krisen, Krisen. Lenz will jetzt nichts sagen. Er grummelt nur. "Lassts mir mei Ruh. Wos wuistn wissen. Wisst doch eh, was los is."
So geht es dahin, ein,weiteres Stück von jenem West-Berlin, von dem die Pessimisten sagen, es ster-be. Und die Realisten hoffen, es verändere sich nur. Optimisten, die daran glauben, es würde alles bes-ser werden, gibt es sowieso keine mehr.
Lechl packt ein. Lechl wird nächste Saison zu den Junioren-Spielen gehen. Lechl sagt: "Wenn es weiter geht, bin ich dabei. Aber glauben werde ich nie wieder einem dieser Vorstandstypen."
Während am Souvenirstand der Ausverkauf tobt, sammeln zwei Steppkes für den Nachwuchs. Den Zehn-Euro-Schein falten sie ehrfürchtig und drücken dem Spender einen Aufnäher in die Hand. "2. Berliner Eishockey-Fan-Club-Turnier, 22.02.1992", steht darauf. "Davon hammwa noch ne Menge", sagt der eine Knirps. Vergangenheit eben.
(erschienen in der Berliner Morgenpost vom 17. März 2002)
Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt: Nach dem Aufstieg der Berlin Capitals in die drittklassige Oberliga 2003, erneuten Zahlungsschwierigkeiten vor der Saison 2004/05, der abermaligen Rück- bzw. Umbenennung in Berliner Schlittschuh Club Preussen (BSchC Preussen), dem verpassten Aufstieg in die Zweite Liga und dem endgültigen sportlichen Aus 2005, blieb nun ein Großteil der Anhänger dem Eishockey Club Charlottenburg Preussen Juniors (ECC Preussen) treu, der 2002 ausgegliederten ursprünglichen Jugendabteilung des Stammvereins. Nach dem Gewinn der Regionalligameisterschaft Ost im April 2009 steht im Rahmen des unverändert vom Senat in Berlin (Hauptstadt der DDR bitte ergänzen) in unheilvoller Allianz mit der Messe Berlin nach Gutsherrenmanier geführten Feldzug gegen West-Berlin hinter der Zukunft des ECC Preussen mehr als nur ein dickes Fragezeichen. Mit anderen Worten: Der ebenfalls unter der Regie dieses Vereins betriebene Eishockey-Kinder- und -Jugendsport kümmert - gelinde gesagt - die politisch Verantwortlichen im Roten Rathaus herzlich wenig. Gegenüber fragwürdigen Bestrebungen der praktisch eh nicht vorhandenen Berliner Wirtschaft zählen natürlich die Interessen von über 800 betroffenen Berliner Freizeitsportlern nichts. Dass das ganze gerade nicht rein parteipolitisch motiviert ist, zeigt ebenfalls die totale Ignorierung letzter Bemühungen zur Rettung der Deutschlandhalle als Eissporthalle des übrigens von einer SPD-Bürgermeisterin regierten Neuberliner Kunstbezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. Pläne für die Aufrechterhaltung der Nutzung bis zur Fertigstellung einer Ersatzhalle im Bratkartoffelverhältnis am Glockenturm vor dem Olympiastadion, gab es durchaus:
Die Deutschlandhalle soll erst dann abgerissen werden, wenn die Eissportler ihre neue Halle an der Glockenturmstraße nutzen können. Das fordern parteiübergreifend die Mitglieder der Bezirksverordneten-Versammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf. Nur die FDP stimmte nicht zu. Nach Meinung der anderen Parteien sollte es einen "Abriss auf Vorrat" schon deshalb nicht geben, um den Eissportlern bis zur geplanten Fertigstellung der Ersatzhalle 2011 keine jahrelange Heimatlosigkeit zuzumuten.
(Artikel Mopo, 23. Juni 2008)
Das Senatsverhalten frei nach dem Adenauer-Motto Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? lässt sich eindrucksvoll mit den Beschlüssen des Landesdenkmalrats (LDR) vom 6. November 2000 belegen, in denen es zum TOP 2 - Deutschlandhalle heißt:
Der LDR bekräftigt seine früheren Entschließungen, dass an der Erhaltung und adäquaten Nutzung des Baudenkmals Deutschlandhalle unbedingt festgehalten werden muss. Nach Information durch den Vertreter des Landessportbundes, Herrn Hahn, sowie der Senatsverwaltung, Herrn Neuwirth, plädiert der LDR aufgrund der derzeitigen strukturellen und wirtschaftlichen Gegebenheiten dafür, die Halle zunächst für einige Jahre als Ersatz der Eissporthalle Jafféstraße mit kleinstmöglichem Aufwand als zentrale Eissporthalle umzubauen und dem Amateursport sowie dem Profisport übergangsweise anzubieten. Eine endgültige Entscheidung (Eissport/Mehrzweck) muss auf die tatsächliche Entwicklung privater Investoren-Projekte abgestimmt werden.
Wie die Erfolgsaussichten der eilends wie verzweifelt ins Leben gerufenen Initiative Pro Deutschlandhalle (ja, schon wieder so eine Pro-Initiative...), deren Ziel es ist, Aufmerksamkeit auf ein Stück Berliner Geschichte zu lenken, die vom Erdboden verschwinden soll. Die Kommentare sollen den Herren Wowereit, Körting und Wolf zeigen, was sie dem Volk eigentlich antun. Da die Äußerungen das Seelenbefinden der meisten Kommentatoren auf der Pro Deutschlandhalle-Website selbst erklären, sei hier nur auf diese verwiesen...
Der Senat von Grostberlin führt derweil seinen Vernichtungsfeldzug gegen die als Zeitzeugen der West-Berliner Stadtgeschichte verstandene Halle mit unveränderter Härte in seiner Unbelehrbarkeit gegenüber der Vernunft und gegen alle berechtigte Bedenken von Berliner Architektenkammer, Baukammer, Berliner Architekten- und Ingenieurverein sowie Denkmalschützern unbeirrt weiter:
Der
Abriss der Deutschlandhalle ist beschlossene Sache, doch jetzt will der
Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf nicht mitspielen. Ein Ende
vergangener Woche von der Messe Berlin gestellter Abrissantrag für die
1935 eingeweihte Halle hat dort wenig Chancen auf eine Genehmigung:
"Wir werden ihn natürlich sorgfältig prüfen", sagt Baustadtrat
Klaus-Dieter Gröhler (CDU).
Aber vieles spreche dafür, dass dem Ersuchen nicht stattgegeben wird. Die Messe, die auf dem Gelände einen Neubau errichten will, müsse erst nachweisen, dass dieser tatsächlich nur dort entstehen kann, sagt er: "Noch vor etwa fünf Jahren ist ein Plan erarbeitet worden, der viele freie Flächen auf dem Messegelände auflistet. Daran hat sich doch nichts geändert." Im Bezirksparlament wird jetzt sogar darüber debattiert, ob der Bezirk die traditionsreiche Halle in den nächsten zwei Jahren selbst betreibt. Der Haushaltsausschuss soll nachrechnen, wie das gelingen kann. "Mit dem jährlichen Zuschuss von 1,5 Millionen Euro, die die Messe dafür bisher vom Land Berlin erhält, können wir das auf jeden Fall", sagt der Baustadtrat. Es gehe aber nicht nur darum, nachzuweisen, dass die Deutschlandhalle erhalten werden kann, sagt er. Vor allem benötigten die Eissportler des Clubs ECC Preußen Juniors Berlin ein Ausweichquartier bis eine neue, elf Millionen Euro teure Eissporthalle an der Glockenturmstraße fertig ist. Bisher trainieren die rund 250 "Preußen" und etwa 800 andere Eissportler in der Deutschlandhalle. Damit soll am 30. April Schluss sein. Die neue Eishalle wird erst 2011 fertig. "Für die nächsten zwei Saisons gibt es somit keinen Ort für die Sportler", kritisiert Gröhler.
"Eine Entscheidung über eine temporäre Spielstätte wird noch in dieser Woche fallen", verspricht eine Sprecherin der Senatssportverwaltung. Sportsenator Ehrhart Körting (SPD) hatte in der vergangenen Woche in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP im Abgeordnetenhaus mitgeteilt, dass als mögliche Ausweichquartiere unter anderem Standorte im Jahn-Sportpark (Prenzlauer Berg), am Erika-Hess-Eisstadion (Wedding) und im Olympiapark (Charlottenburg) geprüft würden, zudem das Angebot eines privaten Unternehmens in Spandau.
Der Bezirk hat deshalb für sein Übernahme-Angebot keine guten Karten: Die zuständige Senatswirtschaftsverwaltung lehnt die Offerte rundweg ab. "Es wird keinen Weiterbetrieb der Deutschlandhalle geben", sagte Staatssekretär Jens-Peter Heuer der Berliner Zeitung auf Anfrage. "Die Betriebsgenehmigung läuft am 30. April endgültig aus." Der Abriss war bereits im Mai vergangenen Jahres vom Senat beschlossen worden - als Ausgleich für die Sanierung des Internationalen Congress Centrums (ICC).
Inzwischen formiert sich aber insbesondere im Westen Berlins Widerstand: [...] Auch die Berliner Architektenkammer, die Baukammer und der Berliner Architekten- und Ingenieurverein sowie Denkmalschützer kritisieren das Vorgehen des Senats. Das Bezirksparlament hatte schon im Februar einstimmig dafür votiert, die Deutschlandhalle als Zeitzeuge der West-Berliner Stadtgeschichte zu erhalten und zu einer Multifunktionshalle umzubauen.(Demonstrieren für die Deutschlandhalle von Birgit Etzel, Berliner Zeitung, 26. April 2009)
Noch ist der Abschied von Eishockey in Berlin nicht endgültig und so bleibt Zeit zurückzublicken:
Aufgrund der begrenzten Parkmöglichkeiten direkt vor der Halle, war man oft gezwungen, in die angrenzende Siedlung Eichkamp auszuweichen, um dort nach einem Parkplatz zu suchen, sofern man mit dem Auto zu den Spielen fuhr. Der frühere S Bahnhof Eichkamp heißt auf Betreiben der Messe Berlin mittlerweile Messe Süd. Der Durchgang im Bahnhof war die schnellste Möglichkeit zu Fuß wieder vom Eichkamp aufs Hallengelände zu gelangen.
Anlässlich des 20jährigen Bestehens des BSC Preussen bzw. der Berlin Capitals 2003 fand in der Deutschlandhalle eine von den Fans organisierte Jubiläumsfeier statt, deren Höhepunkt ein All-Star-Game früherer Preussen-Spieler gewesen ist. Von dieser Zeit stammen noch die vielen Schautafeln im Innengang der Deutschlandhalle, die die wechselvolle Geschichte der Eishockey-Preussen dokumentieren.
Blick auf die Eisfläche im Innenraum der Deutschlandhalle. Die Halle bietet insgesamt ... Zuschauern Platz. Die Zugänge zum Oberrang waren allerdings seit dem Abstieg aus der DEL 2002 abgesperrt. Obwohl der ECC Preussen die Saison 2008/09 in der viertklassigen Regionalliga spielte, kamen zum entscheidenden Finale gegen die Black Dragons Erfurt, das die Preussen klar mit 8:2 für sich entscheiden konnten, knapp 1.500 Zuschauer.
Für das leibliche Wohl sorgten mehrere Snack- und Getränkestände gesichert, bei denen man zumeist in den Drittelpausen u.a. Bockwurst oder Leberkäs essen und dazu stilecht ein Berliner Kindl vom Fass (oder auch zwei oder drei oder ...) trinken konnte.
Im Innengang befand sich ebenfalls Lechl's Fanshop, wo es ansonsten längst vergriffene Preussen-Devotionalien wie Sticker, Buttons, CDs, Autogrammkarten oder Pins noch in Hülle und Fülle zu erstehen gab.
Hier erzielen die Preussen gerade ein Tor im entscheidenden Finalspiel am 9. April 2009 gegen die Black Dragons Erfurt...
...und jubeln nach dem verdienten 8:2 Sieg im Finale:
Mit einem grandiosen 8:2 Sieg im dritten Playoffspiel gegen die Black Dragons aus Erfurt gewannen die Preussen die Meisterschaft der Regionalliga Ost und haben sich damit für den Aufstieg in die Oberliga qualifiziert.
Vor knapp 1.500 Zuschauern reichte den Berlinern eigentlich das erste Drittel für die Entscheidung, denn nach 20 Spielminuten führte man bereits mit 5:0. Stefan Leciejewski eröffnete den Torreigen in der 4.Minute, Jan Schertz, 10.Minute und Kapitän Kay Hurbanek, 14.Minute erhöhten auf 3:0.
Auch der Torwartwechsel der Erfurter nach dem dritten Treffer, Martin Otte für Kai Fischer, brachte nicht den erhofften Erfolg, erneut Jan Schertz, 15. Minute und Marvin Krüger, 18. Minute erzielten die weiteren Treffer zur 5:0 Pausenführung.
Im zweiten Drittel ließen es die Preussen deutlich ruhiger angehen, ohne jedoch die Kontrolle über das Spiel zu verlieren. Den Erfurtern gelang zwar in der 33.Minute der Treffer zum 5:1, doch der Stimmung auf den Rängen tat das keinen Abbruch. Mit Laolawellen und Gesängen wie "Hey, was geht ab, wir holen die Meisterschaft", feierten die Preussenfans schon Ihre Mannschaft.
Im letzten Drittel wurde dann noch etwas nachgelegt, Philip Reuter trug sich in der 46. Minute in die Liste der Torschützen ein und Stefan Leciejewski erzielte in der 50.Minute seinen zweiten Treffer. Den Abschluss mit dem achten Tor erzielte Nicolai Tittus, der zweite Treffer der Erfurter durch Spielertrainer Zbynek Marak in der 56.Minute war nur noch Ergebniskosmetik der Erfurter.
Unter
dem Jubel der Zuschauer zählten die Spieler die letzten Sekunden runter
und Trainer, Spieler und Betreuer lagen sich beim Schlusspfiff in den
Armen. Ein großes Ziel der Preussen, die Meisterschaft in der
Regionalliga, wurde 5 Jahre nach der Neugründung erreicht.
Den Pokal für die Meisterschaft nahm Cico Ciganovic anstelle von Kapitän Kay Hurbanek entgegen, sein Vater war am Vortag verstorben und so wollte man ihm gedenken.
Die Saison ist nun beendet, in den nächsten Tagen wird die Mannschaft noch abtrainieren und zum Schluss gilt es auch immer Danke zu sagen. Danke allen Fans, Zuschauern ehrenamtlichen Helfern, allen Sponsoren und denen, die im weitesten Sinne mit dem Spielbetrieb in Verbindung stehen.
Ein Dank auch an die Messe Berlin und dem Senat, dass man in der ehrwürdigen Deutschlandhalle spielen durfte und beide sollten sich in den nächsten Tagen mit Herrn Wowereit an einen Tisch setzen und angesichts der sportlichen Entwicklung und des Erfolges sowie der steigenden Zuschauerzahlen das Thema Abriss Deutschlandhalle vom Tisch fegen und einer weiteren Nutzung bis zur Fertigstellung der neuen Halle auf P9 zustimmen.*
(Spielbericht auf www.eccpreussen.de)*Die Reaktionen der kompromissunwilligen und an keiner vernünftigen Lösung interessierten Betonköpfe in Senat und der mit ihm verbündeten Messe Berlin haben die im Spielbericht geäußerten optimistischen Wünsche leider nicht bestätigen können und obsolet werden lassen, dafür aber die wahren Absichten der politischen Machthaber gezeigt.
Aber bereits nach dem ersten Finalsieg am 3. April war nicht nur in den Kneipen-Katakomben der Deutschlandhalle die Sorge um die wieder einmal unsichere Zukunft für die nächste Saison zu spüren: Alkohol und Nikotin braucht in solch schweren Zeiten wieder einmal der Mensch in West-Berlin...
Der Stand mit den einst ungemein leckeren französischen Crêpes ist schon lange geschlossen...
... und noch später am Abend hieß es Abschied endgültig nehmen. Sollte es wirklich für immer sein? Wenn ja, dann bleibt quasi als A Tribute to Deutschlandhalle immer noch die unauslöschbare Erinnerung an einige (verfügbare) Highlights längst vergangener Zeiten in Ton und Bild:
Preussen geben niemals auf, damit es auch in Zukunft wieder heißt: