West-Berliner Klassiker: Neuss Gerücht zum 85.!
Um gleichsam den Heimatspaziergang von der einstigen Städtischen Irrenanstalt zu Dalldorf fortzusetzen, sei gesagt:
"Früher, wo ich links war, war ich für die Leute im Knast. Jetzt, wo ich Geist bin, bin ich für die Leute im Irrenhaus."
- Wolfgang Neuss 1979*
Vor ein paar Tagen hätte der unnachahmliche Wolfgang Neuss seinen 85. Geburtstag gefeiert, wenn der Mann mit der Pauke sich nicht schon 1990, als er noch einen Kiffer in Berlin hatte, in die ewigen Jagdgründe verabschiedet hätte. Also Grund genug, um an einen der wortgewaltigsten und -witzigsten, scharfzüngigsten und schrägsten Köpfe, von denen zugegebenermaßen die "alte" Bundesrepublik nicht allzu viele besaß (die "neue" seit 1990 erst recht nicht...) zu erinnern - oder nach dem Urteil von Mathias Bröckers, den wachsten und witzigsten Menschen, den ich je kennengelernt habe.
Genug der Worte - oder um es mit dem totalen Neuss zu sagen: Ich sitze und lausche...
*1979 - Neuss als Chronist und Gerichtsreporter: Bericht über den Prozeß, den man ihm wegen unerlaubten Drogenbesitzes vor dem Schöffengericht gemacht hat, nachdem in seiner Wohnung 35 g Haschisch gefunden worden waren. Als angeregt wird, Neuss solle sich ambulant einer psychiatrischen Untersuchung unterziehen lassen, kommentiert der Angeklagte: "Sehr gut. Da gehe ich hin. Und da werden wir dann so lange reden, bis Sie so denken wie ich."
(Der totale Neuss. Gesammelte Werke, herausgegeben von Volker Kühn, Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins: Hamburg, 1997, S. 676.)
Ich lege Wert darauf, kaputt zu sein.
- Wolfgang Neuss