Im Berliner Bilder- und Dia-Verlag Christine Schmitz (1 Berlin 30, Rosenheimer Straße 29, Fon 2117647) erschien gegen Ende der 1960er Jahre die Farbbildserie West-Berlin Heute / Berlin-West Today, die den Kanon der Sehenswürdigkeiten West-Berlins einige Jahre nach dem Mauerbau widerspiegelte und als Touristensouvenirs aufbereitet hat. Für die Zeitreise ist die Serie hier gescannt und digitalisiert worden.
(Die originalen rückseitigen Beschriftungen der einzelnen Fotos sind den dazugehörigen Texten fett vorangestellt. Die Bezirksangaben beziehen sich auf die ehemaligen Bezirke von Berlin (West), wie sie vor der Neugliederung der Berliner Bezirke 2004 existierten.)
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Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Einst und Jetzt (Kaiser Wilhelm Memorial Church - Before and After): Das Titelbild zeigt zwei Abbildungen der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche: 1941, vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und 1961 mit dem von Egon Eiermann entworfenen Nachkriegs-Neubau (Glockenturm und Kirche). Auffallend sind die unterschiedlichen Proportionen zwischen Gebäude und Personen.
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Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und Europa Center (Kaiser Wilhelm Memorial Church and Europe Center): Die von den Berlinern hohler Zahn genannte Ruine der alten Gedächtniskirche (Bezirk Charlottenburg) wurde im geteilten Berlin zu dem Wiedererkennungssymbol von West-Berlin und grüßte nahezu von allen Covern von Stadtplänen, Touristen- und Reiseführern. Im Hintergrund steht das 1963 von Willy Brandt eingeweihte Europa-Center, das aufgrund seines markanten Hochhauses ebenfalls in kurzer Zeit zum West-Berliner Wahrzeichen wurde. Zwischen Gedächtniskirche und Europa-Center liegt der Breitscheidplatz, am rechten Bildrand sieht man den Tauentzien, zwischen Gedächtniskirche und Europa-Center ist noch die Schneise zu erkennen, welche die Straße Am Tauentzien und Budapester Straße miteinander verband.
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Tiergarten und Brandenburger Tor (Tiergarten and Brandenburg Gate): Die Straße des 17. Juni (Bezirk Tiergarten) in Richtung Brandenburger Tor, das nach dem Bau der Berliner Mauer, die unmittelbar vor dem Tor verlief, zum Sinnbild des geteilten Berlin geworden ist. Rechts und links der Große Tiergarten, im Hintergrund sind von links nach rechts Marienkirche, Berliner Dom, Rotes Rathaus und Deutscher Dom im Ostberliner Stadtbezirk Mitte zu erkennen. Aufnahme nicht nach 1966, weil noch nicht der 1965 bis 1969 errichtete Fernsehturm zu erkennen ist.
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Charlottenburger Schloß (Charlottenburg Castle): Das Schloss Charlottenburg, das dem gleichnamigen Berliner Bezirk den Namen gab, bei Nacht.
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Europa-Center und Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche (Europa-Center and Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche): Noch einmal beide Gebäude, diesmal von der Zoo-Seite aus fotografiert. Deutlich zu erkennen ist die so genannte Schneise, die bis in die 1970er Jahre Budapester Straße mit Tauentzien für den Kfz-Verkehr verband. Zwischen Europa-Center und Gedächtniskirche sieht man das KaDeWe.
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Olympiastadion (Olympic Stadium): Das anlässlich einer Veranstaltung nahezu ausverkaufte und noch gänzlich unüberdachte Berliner Olympiastadion (Charlottenburg). Im Hintergrund ist der in Bau befindliche Ostberliner Fernsehturm am Alexanderplatz zu erkennen.
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Schnellstraßen mit Funkturm (City Autobahn and Radio Tower): Die seit 1958 unter dem Regierenden Bürgermeister Willy Brandt gebaute Stadtautobahn A100 mit der Anschlussstelle Messedamm / AVUS in Richtung Norden mit dem von den Berlinern auch Langen Lulatsch genannten Funkturm und dem Messegelände (Charlottenburg).
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Schöneberger Rathaus (Kennedy Square): Das Rathaus des Bezirks Schöneberg war während der Teilung Sitz des Abgeordnetenhauses von West-Berlin. Vor dem Rathaus sprach US-Präsident John F. Kennedy am 26. Juni 1963 in einer berühmt gewordenen Rede im Zeichen der knapp zwei Jahre zuvor errichteten Berliner Mauer die Worte Ich bin ein Berliner!
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Philharmonie: Die 1960 bis 1963 erbaute Berliner Philharmonie basiert wie die 1978 eröffnete Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz (heute Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Haus Potsdamer Straße) auf Plänen des Architekten Hans Scharoun. Die Spielstätte der Berliner Philharmoniker befindet sich mit dem erst 1987 zur 750-Jahr-Feier fertig gestellten Kammermusiksaal heute in unmittelbarer Nachbarschaft des Kulturforum Berlin, zu dem die Neue Nationalgalerie, die Gemäldegalerie, die Kunstbibliothek, das Kunstgewerbemuseum und das Kupferstichkabinett gehören.
(Übrigens ist gegenwärtig der Eintritt für alle ständigen Sammlungen im Kulturforum wie auch für alle anderen Staatlichen Museen zu Berlin - SPK jeden Donnerstag von 18 bis 22 Uhr frei!)
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Flughafen Tempelhof (Airport Tempelhof): Der 2008 geschlossene ehemalige Berliner Zentralflughafen Tempelhof (THF) glt als ein weiterer Erinnerungsort der geteilten Stadt, wurde er doch zum Sinnbild der Berlin-Blockade 1948-49, während der die West-Berliner Bevölkerung mit Hilfe einer Luftbrücke durch die so genannten Rosinenbombern versorgt werden konnte. Daran erinnert das auch Hungerkralle oder Hungerharke genannte Luftbrückendenkmal (links). Zusammen mit dem Aufstand vom 17. Juni 1953 und dem Mauerbau 1961 steht die Blockade für die paradoxe Situation der später sogar eingemauerten Insel West-Berlin, die dennoch das freie Berlin jener Zeit geblieben ist. Tempelhof war der West-Berliner Flughafen für den zivilen Luftverkehr bis zur Eröffnung von Berlin-Tegel (TXL).
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Reichstag (The House of Parliament): Zu West-Berliner Zeiten wurde das mit seiner Rückseite unmittelbar an der Berliner Mauer im Bezirk Tiergarten gelegene Reichstagsgebäude, deren Nutzung aufgrund des Sonderstatus von West-Berlin während der deutschen Teilung offen blieb, mehrmals als Tagungsort der Bundesversammlung von bundesdeutscher Seite genutzt. Die DDR reagierte daraufhin oft mit vorübergehenden Sperrungen der Zugangswege zum Westteil der Stadt, bevor die Ostverträge, das Transitabkommen diese Situation normalisierten und v.a. das Viermächteabkommen seit 1971 die Gebäudenutzung regelte.
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Kurfürstendamm: Der Kurfürstendamm am Kranzler-Eck Ecke Joachimsthaler Straße (Charlottenburg) mit der heute denkmalgeschützten Kuppel des ehemaligen Café Kranzler. In bleibender Erinnerung ist der Auftritt der Berliner Kabarettlegende Wolfgang Neuss 1983 im Café: In der von Wolfgang Menge moderierten Talksendung „Leute“ nannte Neuss den damaligen Regierenden Bürgermeister und gerade als Bundespräsidenten nominierten Richard von Weizsäcker Richie. Der Ku'damm entwickelte sich nach der Teilung der Stadt mit der Währungsreform 1948 zum Geschäftszentrum West-Berlins, wenig später zur Flanier- und Amüsiermeile mit Cafés, Bars, Clubs, Diskos und Kinos, während er heute den Charakter eines exklusiven Einkaufsboulevards annimmt.
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Technische Universität (Technical University): Das Hauptgebäude (Charlottenburg) der 1879 als Königliche Technische Hochschule gegründeten Universität wurde 1965 nach Entwürfen von Kurt Dübbers vor den Altbau gesetzt. Es ist ein zehngeschossiger aluminiumverkleideter Bau, der ein vorgelagertes Audimax hat. Auf dem Bild sind auch die für die Ost-West-Achse typischen Speer-Leuchten zu erkennen.
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Schloß Bellevue (Bellevue Castle): Das Schloss diente schon zu West-Berliner Zeiten neben der Villa Hammerschmidt als (zweiter) Amtssitz des Bundespräsidenten. Errichtet wurde es im Auftrag des jüngeren Bruders von Friedrich II., Ferdinand von Preußen nach Plänen von Michael Philipp Boumann und 1786 fertiggestellt.
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Straße des 17. Juni: Die Aufnahme zeigt deutlich die Bezirksgrenze zwischen Charlottenburg und Tiergarten mit dem Charlottenburger Tor . Dahinter ist die Trasse der S-Bahn zu erkennen (rechts von der Straße des 17. Juni ist noch der Bahnhof Tiergarten zu erahnen). Die West-Berliner S-Bahn-Netz ist bis 1984 von der Deutschen Reichsbahn (DR) der DDR betrieben worden. Im Hintergrund ist links neben dem Großen Stern mit der Siegessäule auch der noch im Bau befindliche, 1969 eingeweihte Ostberliner Fernsehturm auf dem Alexanderplatz zu erkennen. Vorne links Gebäude der Technischen Universität im typischen Nachkriegsbaustil.
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Siegessäule und Hansaviertel (Victory Column of 1873 with Hansa District): Die Aufnahme zeigt den Großen Stern mit der im Volksmund auch Goldelse genannten Viktoria auf der Spitze der Siegessäule, den Großen Tiergarten und das sich daran anschließende Hansaviertel, das seit 2008 zusammen mit anderen Wohnsiedlungen der Berliner Moderne zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.
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Maria-Regina-Martyrium [Sic!] (Martyrdom Maria-Regina): Die katholische Gedenkkirche Maria Regina Martyrum (Maria, Königin der Märtyrer) (Charlottenburg), für die 1960 der damalige Bischof von Berlin, Julius Kardinal Döpfner, den Grundstein gelegt hatte ist den Widerstandskämpfer des Dritten Reiches gewidmet. In der Nähe liegt auch die Gedenkstätte Plötzensee.
Wer
Ende der Siebziger Jahre nach West-Berlin zog, war nicht auf der Suche
nach Ruhm, Erfolg und Karriere. Die Stadt mitten im sozialistischen
Osten rottete gemächlich vor sich hin. Abgeschnitten und subventioniert
von der Bundesrepublik, beschützt von den USA, umgeben von einer
meterhohen Mauer. Berlin hatte keine Sperrstunde, dafür umso mehr Zeit
und Raum, den man füllen und besetzen konnte. Die "Neuen Wilden"
gründeten 1977 die Galerie am Moritzplatz, 1978 öffnete das SO 36. In
Läden wie Schizzo, Café Mitropa, Risiko oder Café Swing wurde die Nacht
zum Tag. Alltag wurde Kunst und Kunst Alltag. "Nichts ist wahr - alles
ist möglich" war das Motto der Zeit. Eine neue Generation befand sich
einmal wieder auf der Suche nach dem richtigen Leben im Falschen.
Am Dienstag, dem 3. März 2009 bei b_books in Kreuzberg um 21 Uhr und am Donnerstag, dem 5. März 2009 um 20.30 Uhr bei pro qm, der thematischen Buchhandlung zu Stadt, Politik, Pop, Ökonomiekritik, Architektur, Design, Kunst & Theorie, findet eine Retrospektive einer Retrospektive zu Filmen aus dem West-Berliner Untergrund der '80er Jahre statt.
Unter dem Titel
betrachtete man vom 8. Oktober bis 7. November 2006 im Kino Arsenal in einem von Stefanie Schulte-Strathaus und Florian Wüst kuratierten Rückblick das West-Berlin jener Zeit aus Super-8- oder 16mm-Perspektive:
Die über 30 Programme und Veranstaltungen umfassende Filmreihe Wer sagt denn, dass Beton nicht brennt, hast Du's probiert? zeigt Filme, die zwischen dem Ende der 70er Jahre und der Öffnung der Mauer in West-Berlin entstanden sind. Filme aus und über West-Berlin in einer Zeit, in der über den Potsdamer Platz die Mauer lief und die Fahrt über die Stadtautobahn die große Freiheit bedeutete. Das von der Bundesrepublik subventionierte "Schaufenster des freien Westens" war zu einer Insel für all diejenigen geworden, die sich ohne ökonomischen Druck selbst erfahren und mit allen Mitteln ausdrücken wollten.
Man verschrieb sich nicht länger der Weltrevolution, sondern drang auf die Verwirklichung alternativer Lebensformen zwischen Endzeit und Konsumverzicht, Anti-Reagan-Demos und Häuserkampf, Schwulsein und Queerness, Punk, New Wave und Drogen. Im Spiel mit Körperbildern spiegelte sich der Versuch, unterschiedliche Feminismen und indifferente Geschlechterrollen zu praktizieren.
Film und Kino, in welchem man ganze Nächte verbrachte, kam eine wichtige Rolle zu. Die Besonderheit des Lebens im Schatten der Mauer fand nicht nur in sozialkritischen Inhalten, ästhetischen Experimenten und grellen Inszenierungen, sondern auch in der Verwendung neuer Filmformate ihren Ausdruck: Anfang der 80er war vor allem Super-8 beliebt, um mit nur geringen Kosten unabhängige Filme zu produzieren, welche auf eigenen Festivals, in Bars und Cafes aufgeführt wurden. Gleichzeitig entstanden eine Vielzahl von Spielstätten in besetzten Häusern, die zusammen mit dem 1970 gegründeten Arsenal einen Gegenpol zur kommerziellen Kinolandschaft darstellten. Auch das Medium Video begann sich zu verbreiten und wurde als Mittel zur politischen Arbeit genutzt. Videoproduktionen im Umkreis der dffb schöpften die Möglichkeiten analoger Bildbearbeitung aus, während andere Filme der sich ankündigenden Computerisierung der Welt mit Skepsis begegneten.
Wer sagt denn, dass Beton nicht brennt, hast Du's probiert? möchte die Auseinandersetzung mit dieser Epoche, die längst Retro- und Nostalgieeffekte auf sich zieht und dennoch in persönlichen Erinnerungen so nah erscheint, anhand der filmischen Werke führen. Es soll sichtbar werden, wie sehr sich künstlerische und soziale Prozesse durchdrangen und einmalige Synergien bildeten. Auch wird mit der Filmreihe ein erstes Stück filmgeschichtlicher Aufarbeitung geleistet. Die KuratorInnen haben es sich zur Aufgabe gemacht, auf der Basis breitgefächerter Recherchen eine thematisch zugespitzte, doch nicht minder komplexe Auswahl zu treffen: von Kultklassikern, Spiel- und Dokumentarfilmen bis zu Kurzfilmen, die 20 Jahre nicht mehr gezeigt wurden.
Das komplette Programm ist hier abrufbar und einzusehen.
Die literarische Aufarbeitung dieses Filmschaffens liegt jetzt in einer gleichnamigen Monografie vor, die bei b_books allgemein und präsentiert und bei pro qm um ein munteren Gespräch mit Autor Mathias Heyden über die damalige Stadtentwicklung von unten, die Hausbesetzer/innen-Bewegung, die dazugehörigen Filme sowie das Fortwirken all dessen im heutigen Berlin sowie durch diverse Filmausschnitte ergänzt werden wird.
Wer die Filmreihe verpasst haben sollte und/oder nicht bei der Buchpräsentation nicht anwesend sein kann, dem seien neben dem Buch zwei DVDs empfohlen. Zum einen
Die DVD-Kompilation zeigt zwölf restaurierte Super8-Filme aus dem Originalprogramm, sowie Knut Hoffmeisters "Deutschland". Interviews und Originaldokumente ergänzen und dokumentieren das gesamte Programm samt seiner unvermeidlichen Lücken.
Die Filme bezeugen eine Bewegung, die nie eine war, geschweige denn sein wollte. "Alle Macht der Super8 - Berliner Undergroundfilmer stellen sich vor" ist vielmehr eine Momentaufnahme der West-Berliner Subkultur von 1978-81: Radikal subjektiv, aufrichtig und voller Ironie
.Filme
01. Pommes Frites statt Körner, Yana Yo BRD 1981, 5:15 min.
02. Ohne Liebe gibt es keinen Tod, Maye & Rendschmidt, BRD 1980, 4:18 min.
03. Der Elefant vom Potsdamer Platz, Peter Fischer Piel, BRD 1980, 7:30 min.
04. Berlin – Alamo, Knut Hoffmeister, BRD 1979 8:50 min.
05. Hammer und Sichel, Walter Gramming, BRD 1978, 6:07 min.
06. Don´t forget to leave the highway, padeluun, BRD 1979/80, 6:49 min.
07. Underground USA, Ika Schier, BRD 1980, 5:39 min.
08. Die Enthüllung des Phantoms, Hella Santarossa, BRD 1978 8:20 min.
09. Handlich, Ruza Spak, BRD 1980, 8:53 min.
10. 3302, Christoph Doering, BRD 1979, 14:24 min.
11. Nur Geld ist aufregend, Axel Brand&Anette Maschmann BRD 1980, 11:34 min.
12. Darum oder was erwartest Du, Jürgen Baldiga, BRD 1980, 7:25 min.
Extras
Deutschland!, Knut Hoffmeister, BRD 1980, 21:08 min.
Interviews mit Yana Yo, Axel Brand, Knut Hoffmeister und padeluun, 12:24 min.
Katalog "Alle Macht der Super8" (1981) als PDF-Dokument
Booklet mit zahlreichen Originaldokumenten, Hintergrundinformationen und Fotos. Interviews und Texten von und mit Yana Yo, Christoph Doering, Knut Hoffmeister, Axel Brand und padeluun.
Zum Hintergrund:
Die Filmer nutzten die Straße, die Stadt als Bühne, als Resonanzraum und Projektionsfläche. Es entstanden Filme, die roh, direkt und sehr persönlich ihre Sicht auf die damalige Frontstadt Berlin dokumentieren und das Lebensgefühl einer Jugend am Ende der Zeit, zwischen "Deutschem Herbst" und "Kaltem Krieg" widerspiegeln. Die Filme liefen in Kneipen und auf Konzerten. Sie projizierten auf Lastwagen, Häuserwände oder die Berliner Mauer. So gesehen führt der Begriff "Underground" fast schon in die Irre. Vielleicht sollte man besser von einer Parallelwelt sprechen, die die Berliner Boheme entwarf, lebte und, vor allem: kommunizierte.Das Kommunizieren hatte auch der Filmer, Musiker und Netzwerkaktivist padeluun im Sinn, als er im Januar 1981 dazu aufrief, selbstproduzierte Super8-Filme im Berliner "Café Mitropa" abzugeben. Viele Filmer folgen seinem Aufruf und padeluun ging schließlich mit 400 DM vom Sozialamt und einem neunstündigen Programm auf Tour durch die Bundesrepublik, Österreich und die Schweiz. Bis auf wenige Ausnahmen verschwanden die Filme danach in Kellern und Archiven - und wurden, wie manches dieser Zeit, zur Legende.
Bereits für den Punk! Kongress, der im September 2004 mit Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes stattfand, haben wir versucht, "Alle Macht der Super8 - Berliner Undergroundfilmer stellen sich vor" zu rekonstruieren. Bei der Recherche wurde jedoch schnell klar: So flüchtig, wie die Zeit,, war auch das Material. Wie zu erwarten, hatten die wenigsten Filmer ihr Werk ordentlich archiviert. Viele Filme sind zerstört oder verschollen und werden es wohl für immer bleiben.
Die DVD-Kompilation zeigt einen Ausschnitt, zwölf Super8-Filme aus dem Originalprogramm, sowie Knut Hoffmeisters "Deutschland". Interviews und Originaldokumente ergänzen und dokumentieren das gesamte Programm samt seiner unvermeidlichen Lücken.
Den Trailer und (noch) mehr Infos zu den einzelnen Momentaufnahmen einer Bewegung, die nie eine war, gibt es hier.
Eine zweite DVD, die unter anderem auch die Originalversion des Jörg Buttgereit-Films Mein Papi von 1981 enthält, trägt den schönen Titel
Liebevoll zusammengestellte Compilation mit Super 8 Filmen und dem Besten aus dem Berlin Underground der frühen 80er Jahre.
DVD (Super 8 movies)
01. Brand & Maschmann: E Dopo? (1981)
02. Christoph Doering: 3302- Taxi Film (1979)
03. Markgraf & Wolkenstein: Hüpfen 82 (1982)
04. Yana Yo: Sax (1983)
05. Maye & Rendschmid: Ohne Liebe gibt es keinen Tod (1980)
06. Stiletto Studio,s: Formel Super VIII (1983)
07. Walter Gramming: Hammer und Sichel (1978)
08. Georg Marioth: Morgengesänge (1984)
09. Hormel/Bühler: Geld (Malaria Clip) (1982)
10. Notorische Reflexe: Fragment Video (1983)
11. Jörg Buttgereit: Mein Papi (1981)
12. Die Tödliche Doris: Berliner Küchenmusik (1982)
13. Butzmann & Kiesel: Spanish Fly (1979)
14. Manfred Jelinski: So war das SO 36 (1984)
15. Klaus Beyer: Die Glatze (1983)
16. Markgraf & Wolkenstein: Craex Apart (1983)
17. Andrea Hillen: Gelbfieber 1982)
Special Bonus Clip:
Ika Schier: Wedding Night (1982)
Total running time 109:29
Als amuse gueule sei folgendes Kleinod von Rolf S. Wolkenstein und Horst Markgraf von 1982 gereicht, da freuet sich die Sennerin, ja wenn wir schaun schaun schaun übern Zaun, Zaun, Zaun...:
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CD
01. Mona Mur: My Lie (1982)
02. Malaria: Thrash Me (1983)
03. Die Tödliche Doris: Tanz im Quadrat (1981)
04. Christiane F: Wunderbar (1982)
05. P1/E: 49 sec. Romance (1980)
06. Mono/45 UPM: Romantic Adieu (1979)
07. Sprung aus den Wolken : Akcam La (1982)
08. Kosmonautentraum: Stolze Menschen(1981)
09. Valie Export & I. Wiener: Bananen (1980)
10. Alexander v. Borsig (Hacke): Hiroshima (1980)
11. DIN A Testbild: No repeat (1980)
12. Flucht nach Vorn: Nahost (1982)
13. Frieder Butzmann: Schmusewolle (1979)
14. Sentimentale Jugend: Wollt ihr die totale Befriedigung (1980)
15. Einstürzende Neubauten: Tanz Debil (1980)
16. MDK: Berlin (1982)
Total Time: 51 min.
Abschließend sei daraufhingewiesen, dass man die Reihe mit Filmen, die das Kurzfilmformat sprengen, fortsetzen könnte, z.B. mit dem Knut Hoffmeisters Thriller "Der Goldene Oktober" (1984) oder der Hausbesetzerkomödie von Hans-J. Koehler mit dem programmatischen Titel "Oben Scheine - Unten Steine" aus dem Jahr 1982, übrigens der einzigen ihrer Art, die bei soviel Interesse an der West-Berliner Super '80-Parallelwelt sicherlich auch eine zukünftige Würdigung verdient hätte, denn er ist Vielleicht dilettantisch, aber auf jeden Fall persönlich (Saarbrücker Zeitung). Auch die internationale Fachpresse zeigte sich einst begeistert, schließlich handelt es sich um einen Film, der den Film ad absurdum führt. Humorlose Leute fühlten sich denn auch von soviel Dilettantismus verarscht. (Tageblat Luxemburg). Wir warten also auf die kommende Super '80-Longplayer-Thriller-Box und gucken bis dahin in deinerRöhre Koehlers Berlin-Thriller von 1984:
WBln. 1984, 26Min., Farbe/S-8, Silberblick Filmprod.WBln., Regie&Idee: Ira Lankisch, Produktion/Kamera/Schnitt: Hans-J.Koehler, Darsteller: Hans U.Lankisch u.v.a.
Stadtgeschichtlich überaus interessant ist das im Ausschnitt gefilmte Kreuzberger Schleusenareal direkt an der Mauer, das sich in der hier gezeigten Ansicht nicht erhalten hat. In speziellen Schiffen wurden dort seinerzeit Frischfische in großen Behältern für die Lebensmittelabteilung des KaDeWe auf Vorrat gehalten. In unmittelbarer Nähe befand sich auch die letzte Tankstelle vor der Mauer.
swoim życiem się baw !
Wprost na spotkanie ognia leć !
Tańcz głupia, tańcz,
wielki bal sobie spraw !
To wszystko, co dziś możesz mieć...
(Tanz, blöde Kuh, tanz,
als wenn es um Dein Leben geht,
spring in den Feuerkranz.
tanz, blöde Kuh, tanz,
veranstalte einen großen Ball,
das ist alles, was Du heute haben kannst... )
- Lady Pank, Tańcz głupia, tańcz
Bevor man bei Trikont oder Zweitausendeins auf die Idee kommt, machen Gr8tracks jetzt schon einmal einen Ausflug ins Polen der '70er und '80er Jahre: Insgesamt 45 Tracks aus einer Zeit zwischen Solidarność, Johannes Paul II. und Gezegorz Lato. Mit dabei die gesungene Poesie Marek Grechutas, die Legende Maanam, die sich seinerzeit weigerten im Warschauer Kulturpalast zu Ehren der Sowjetunion aufzutreten (und damit mit einem Auftrittsverbot vom Jaruzelski-Staat geadelt wurden), der (ehemalige) Kinderstar Natalia Kukulska, deren Mutter, die in Polen überaus populäre Schlagersängerin Anna Jantar, 1980 bei einem Flugzeugabsturz auf dem Warschauer Flughafen ums Leben kam, die vermutlich erste osteuropäische Boygroup Papa Dance, Sleaze-Rocker wie Korba, Kobranocka, die einmal die Weicheier von den Toten Hosen unter den Tisch gesoffen haben, Bands wie Aya RL, Perfect, Budka Suflera und die aus diesen hervorgegangenen Lady Pank, deren Texte, die zwischen den Zeilen oft mehr kritisch als erlaubt waren, es doch schafften, immer haarscharf die Zensur zu umgehen, T. Love, die mit Autobusy i tramwaje den inoffiziellen Soundtrack dieser grauen Jahre in zweieinhalb Minuten lieferten, Klaus Mitffoch, die nach Kritikermeinung eines der besten polnischen Rockalben schufen, die Erfinder des polnischen Reggae, Mr. Zoob, oder Pop-, Synthie- und New Wave-Perlen Made in Polska von Lombard, Urszula, Izabela Trojanowska und Kombi.
Weitere Informationen gibt es hier. Das Rockarchiv ist zwar auf polnisch, aber es reicht aus zu wissen, dass Szukaj (Suche) heißt, dann findet man eigentlich alles, was man sucht.
Made in Polska Vol. 1: Autobusy i tramwaje
Tracklist:
... "Willkommen in der Pension F(ritzl)."
Da es sich mir gesträubt hat, just am zwanzigsten Todestag des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard den aus den Niederungen Niederösterreichs rund um "Österreichs innovativste Gemeinde 2006" Amstetten entwachsenen Medienhypes um einen gewissen Josef F. zu thematisieren, wird das hiermit nachgeholt.
Ein Schelm, der Böses dabei denkt, haben doch prophetisch bereits vor Jahren die Wiener Proletenrocker Alkbottle aus dem 12. Gemeindebezirk Meidling dortige Polizeieinsätze heruntergespielt:
herr inspektor, des is net manhatten, sie verwechseln des in ihrer fetten
do gibts auch niemand zum retten, wir san do nur in amstetten
bei uns samma kiebera, in amerika cops, dort saufen’s whiskey, bei uns herübn schnaps
nur san wir in österreich net so human, wir saufen euch nieder und zeig’n euch dann an
doch sie hab’n a glück g’habt i hob mich verschrieb’m und hab’ darufhin in mei schreibmaschin’ g’spieb’m
Man lasse sich bei diesem Einsatz nicht täuschen, dass man nur in Amstetten sei, denn mittlerweile will die Kronenzeitung, das nach Ansichtssache österreichische Pendant zu BLÖD oder SPIEGEL in Sachen systemmanipulierender Meinungsmache, die mit ihrer objektiven Berichterstattung wesentlichen Anteil daran hatte, dass dieser Hype erst zu dem wurde, was er heute ist, nämlich ein totales mediales Phänomen, das kulturell weiter verwurstet wird, worüber sogar piefkenesische TV-Kulturmagazine nicht umherkommen zu berichten:
Jetzt hat der Wiener Theatermacher Hubsi Kramar ein Stück mit dem Titel "Pension Fritzl" angekündigt und damit für einen Skandal in Österreich gesorgt. Die Kronenzeitung löste eine Kampagne gegen das Stück aus, das noch niemand gesehen hat. "Diese Ungeheuerlichkeit auf der Bühne zu thematisieren, noch dazu von einem Selbstdarsteller wie dem Herrn Kramar, halte ich für nicht legitim", sagt Michael Jeannée von der Kronenzeitung. "Deswegen interessiert es mich auch nicht, was in diesem Stück steht. Es kann nur ein Dreck sein!"
Eine interessante Erkenntnis, ohne auch nur bisherige Ausschnitte oder Proben von dem Stück gesehen zu haben. Leider wird sich der 3. Wiener Gemeindebezirk, der den schönen Namen "Landstraße" trägt, auf einen Kurzbesuch in der Pension F(ritzl). nicht lohnen, weil skandalöser Weise die Pension mittlerweile nicht nur zur Premiere, sondern auch zu allen übrigen Veranstaltungen restlos ausgebucht ist, worauf auf der Website des 3raum-Theaters hingewiesen wird:
Pension F. ehemals PENSION FRITZL
Pension F. - durch die Entwicklungen der letzten Wochen geben wir bekannt, dass das ursprüngliche Stück mit dem Titel "Pension Fritzl" nunmehr "Pension F." heisst.
Eine Keller Soap.Im Keller unterm Teppich: Tiefer gehts nicht mehr. Einfach: Nieder-Österreich
ACHTUNG: Wiederaufnahme wegen übergroßen Andranges 15. - 18. April 19.30 Uhr
aktualisierte Fassung von "Pension Fritzl - Österreich HEUTE"
Premiere :
23. Februar um 19.30 Uhr
Vorstellungen:
25. - 28. Februar um 19.30 Uhr
Karten (18€/12€ erm.): AUSVERKAUFT!!
Pension F.
- durch die Entwicklungen der letzten Wochen geben wir bekannt, dass
das ursprüngliche Stück mit dem Titel "Pension Fritzl" nunmehr "Pension F." heisst.
Pension F.
von Hermann Fritzl und Hubsi Kramar, die aktualisierte ultimative
Mediensatire! Das 1. globale Volkstheater! Alle spielen mit, alle
spielen sich selbst!
Auf dem Blog des Co-Autors Hermann Fritzl findet sich mittlerweile ein Manifest für ein Erstes wirkliches Volkstheater, denn nach den ersten Vandalenakten muss Kramar feststellen: Die mediale Hetze beginnt zu wirken. Es wird für alle Beteiligten gefährlich.
Statt eines Kommentars zu dieser neuesten Szene der Weltkomödie Österreich ein abschließender Mallorca-Monolog von Thomas Bernhard, weil er einfach so zeitlos zu sein scheint:
Während den BLÖDbloggnern um den SPIEGELesken Medienpreissammler Stefan Niggemeier aus dem Teutoburger Wald in dieser Woche offensichtlich außer der unglaublichen Enthüllung des nicht-vorhandenen Vornamens "Wilhelm" des neuen Bundeswirtschaftsministers (wie heißt der nochmal...? auf und ab Nuttenberg???) wieder einmal nicht viel auf- oder eingefallen ist, haben Nigge und Konsorten doch DIE Meldung der BLÖD-Zeitung schlechthin übersehen, Special agent XY-Ray-3 Bulettenpaule hingegen nicht.
So sehr habe ich Ulbricht gehasst: Didi Meisenkaiser wollte den DDR-Mauer-Lügner erschießen
1958 war der damalige Romanistik-Student vor der Stasi aus Ost-Berlin in den Westen geflohen. Gemeinsam mit einem Freund wollte er Ulbricht aus einer fahrenden S-Bahn erschießen. In Prenzlauer Berg, an der Werner-Seelenbinder-Halle, wo der Parteichef und spätere Staatsratsvorsitzende der DDR oft Tennis spielte.
Meisenkaiser gestern: „Als junger Mensch habe ich erlebt, wie der Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 von russischen Panzern niedergewalzt wurde. Sie retteten damit Ulbricht und seine verlogene SED.“
Als er die Pläne schmiedete, war Hallervorden Anfang 20. Heute noch erinnert er sich an seine Wut: „Ulbricht war die Marionette Moskaus – der bestgehasste Möchtegern-Politiker – da konnte man als junger Mann mit großer Sehnsucht nach deutscher Wiedervereinigung schon mal mit dem Gedanken spielen, den diktatorischen Block durch ein Attentat auf den Spitzbart aufzubrechen.“
Wenn das der Schäuble wüsste!!!
Wie allerdings Leiwandesk investigativ in Erfahrung gebracht hat, tarnt sich Didi Meisenkaiser als entlassener Terrorist, der am Berliner Ensemble ein Praktikum absolvieren will. Kombiniere: der Fall ist Klar:
Und wo ist Christian Klar? Vermutlich ist er von Meisenkaiser, der sich als sein Resozialisierungshelfer ausgegeben hatte, unmittelbar nach seiner Entlassung auf einen vermeintlichen Abenteuerurlaub in die libysche Wüste geschickt worden. Um den Wüstentrip möglichst realitätstreu zu gestalten, ist er zusätzlich mit einem heißen Schlitten und einer flotten Biene ausgestattet worden, um dort in ein (illegales) Autorennen mit den DD-Avengers verwickelt zu werden. Bei diesen handelt es sich in Wahrheit aber um eine Spezialeinheit der Leibwächterinnengarde des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi, die Klar kurzerhand auf unkonventionelle Weise liquidiert haben, wie dieses mit versteckter Kamera gedrehte und uns überspielte Video belegt (die Bildqualität in schwarzweiß bitten wir zu entschuldigen, dafür gibt es aber auch eine englische Synchronisation):
Falls irgendwann noch einmal Fotos in Zukunft auftauchen sollten, sind diese von BLÖD gefälscht, und dürfen bei BLÖDblog ohnehin nicht gezeigt werden, denn es steht fest:
Christian Klar ist Didi Meisenkaiser!
Immerhin haben wir gelernt, wie wir blöd jetzt zu steigern haben: BLÖD, B.lödZ.er, BLÖDblog...
An dieser Stelle sei noch einmal auf das Doku-Drama Man on Wire - Der Drahtseilakt hingewiesen, das lohnt, das Kunstkino ihrer Wahl aufzusuchen, so lange es dort noch im Programm gezeigt wird:
Der französische Akrobat Philippe Petit spannt in der Nacht zum 7. August 1974 in einer heimlichen Aktion ein 60 Meter langes Drahtseil zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers. Am nächsten Tag balanciert er auf demselben eine Dreiviertelstunde in mehr als 400 Metern Höhe. Natürlich kommt die Polizei recht bald dazu. Doch da diese nicht auf das Seil kann, balanciert Petit in aller Ruhe zu Ende. Marshs Film erzählt hauptsächlich von der Planung des Coups, der als das künstlerische Verbrechen des 20. Jahrhunderts gilt. Petits Helfer und seine damalige Lebensgefährtin kommen in Interviews zu Wort, Super-8-Aufnahmen und Fotografien zeigen Philippe Petit und seine Kameraden bei der genauen Planung der wagemutig-verrückten Aktion. Herzstück des Films ist die Nachtstellung des Coups in Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die in deutlicher Anlehnung an klassische Heist-Krimis inszeniert sind. Hier versprüht der Film einen unwiderstehlichen Charme und eine gute Portion Komik.
Verlängerung jedoch LEIDER NICHT MEHR möglich!*
Noch steht Weg ist es: das höchste Bauwerk West-Berlins: der 358,6m hohe Sendemast der Richtfunkanlage Berlin-Frohnau.
Aller guten Dinge sind wieviel? An diesem Wochenende wurde in einem mittlerweile dritten Versuch der Sendemast der Richtfunkanlage Berlin-Frohnau gesprengt, wie der Deutsche Abbruchverband auf seiner Website angekündigt hatte, nachdem die bisherigen Termine nicht eingehalten werden konnten:
Der Sprengworkshop 17/18.01.2009 entfällt
Eigentlich eine schöne Idee: Mit dem Picknick-Korb zum Sprengmeister
oder in Anbetracht der Jahreszeit doch lieber mit der Glühweinkanne.
Kleiner Trost: der 117,5m hohe Sendeturm soll auch künftig genutzt
werden.
Wiki meint dazu:
Der von 1977 bis 1979 für 11,5 Mio. DM errichtete Richtfunkmast ist 358,6 m hoch und ermöglichte bis zur deutschen Wiedervereinigung eine Richtfunkverbindung mit der alten Bundesrepublik Deutschland, wobei die Gegenstelle der Richtfunkverbindung der Sendemast Gartow 2 nahe dem niedersächsischen Gartow auf dem Höhbeck war. Die Luftlinie zwischen Berlin-Frohnau und Gartow beträgt ungefähr 133 km. Die zehn Radiofrequenzpaare im Bereich 5 bis 8 Gigahertz konnten gleichzeitig bis zu 18.000 Telefonate übertragen. Das Eigengewicht des Mastes beträgt 920 t, das Gewicht der insgesamt 3,8 km langen Abspannseile beträgt 250 t. In dem Mast gibt es einen Aufzug, der bis in eine Höhe von 325 m fährt. An der Basis hat der Turm eine Abmessung von 4,3 m mal 4,3 m. In den Fundamenten wurden insgesamt 2000 m³ Beton verbaut.
Der Sendemast ist nach dem Fernsehturm das zweithöchste
Bauwerk Berlins und eines der höchsten Bauwerke Deutschlands. Er
verfügt nahe seiner Spitze über einen 4 m mal 5 m großen Betriebsraum
für die Richtfunkgeräte - den am höchsten über dem Erdboden liegenden
geschlossenen Raum aller Bauwerke im EU-Gebiet. Dieser ist mit einem Fahrstuhl zu erreichen, der für die Fahrt acht Minuten benötigt.
In seinen drei Jahrzehnten hat der Sendemast eine bewegte Geschichte aufzuweisen:
Der Zweck des hohen Sendemasten war ursprünglich die abhörsichere und störungsfreie Übertragung von Nachrichten zwischen Berlin (West) und der alten Bundesrepublik Deutschland über das Gebiet der DDR hinweg. Die Höhe des Turms resultierte aus der Notwendigkeit, die Erdkrümmung zu überwinden. Die Abhörsicherheit erwies sich später als Illusion. Bis zur Inbetriebnahme dieser Anlage war eine Verbindung nur mit Hilfe der störungsanfälligen Technik des Überhorizont-Richtfunks möglich, wie sie beim niedrigeren Sendeturm eingesetzt wurde. Nach der Wiedervereinigung wurden die Richtfunkstrecken außer Betrieb genommen und die Parabolantennen abgebaut.
Seit 2002 finden in Frohnau auch Versuchssendungen im DRM-Modus auf der Mittelwellenfrequenz 1485 kHz statt. Da keiner der beiden Antennenträger in Frohnau für die Abstrahlung von Mittelwellen konzipiert wurde, wurde hierfür eine Langdrahtantenne an einem 10 m hohen Mast errichtet.
Zu Ausflugszwecken erwies sich der Frohnauer Funkturm allerdings nach einem ersten Pilotversuch kurz nach der Fertigstellung im Mai 1979 als untauglich und entpuppte sich für eine 13köpfige Besuchergruppe als "Gefängnis in luftiger Höhe", worüber die Freiwillige Feuerwehr Frohnau berichtet hat:
GEFÄNGNIS IN LUFTIGER HÖHE: 13 Personen saßen auf dem Frohnauer Funkturm fest
Um es gleich vorweg zu sagen: Der Frohnauer Post-Fernmeldeturm wird mitnichten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, auch wenn Meldungen über die - missglückte- Besichtigung des Turms durch eine 13köpfige Besuchergruppe diese Hoffnung genährt haben mögen. Die Frage, wie diese Gruppe am Sonnabend mittag dem auf das stets streng abgeschirmte Postgelände und dann auch noch auf den 344 Meter hohen Stahlgitterturm kommen konnten, klärte sich schnell: Die Herstellerfirma hatte Betriebsangehörige mit Anhang - ein Kind war auch dabei - am Sonnabend zur Grillparty am Fuße des Mastes und anschließend zum Rundblick von der Plattform in 324 Meter Höhe gebeten.
Letztere Unternehmung verlief dramatisch. Der Fahrstuhl streikte bei der Abfahrt in fast 300 Meter Höhe. Weder die im Fahrstuhl Eingeschlossenen noch die auf der Plattform Wartenden konnten den sicheren Boden erreichen. Was dann folgte, war teilweise äußerst gefährlich. Die Insassen des Fahrstuhls retteten sich, nachdem sie ein Loch in die Fahrstuhlwand geschlagen hatten, über eine Leiter auf die höher gelegene Plattform. Während dessen versuchten Mitarbeiter der Firma und Fahrstuhlspezialisten, den eingeklemmten Fahrkorb wieder flott zu machen. Um 19.00 Uhr rückten dann mehrere Züge der Feuerwehr, darunter die Freiwillige Feuerwehr Frohnau, an. Drei der Frohnauer Feuerwehrmänner erklommen mit Verpflegung den Stahlgittermast: Anderthalb Stunden benötigten sie dafür, dann konnte die Wartenden den ersten Schluck Kaffee zu sich nehmen. Auf der Plattform spielten sich dramatische Szenen ab, da zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen war, wie lange der Aufenthalt in luftiger Höhe dauern würde.
Drei Männer und ein 10jähriges Mädchen machten sich dann mit den Feuerwehrleuten an den Abstieg, der gut verlief. Das Kind war während des Abstiegs bestmöglichst gesichert. Es überstand die Situation am besten und war mit Recht stolz auf seinen Mut.
Den restlichen 9 Personen- 5 Männer und 4 Frauen - konnte der Abstieg nicht zugemutet werden. gegen Mitternacht aber war der Fahrstuhl endlich betriebsbereit. Kurze Zeit später hatten auch sie wieder festen Boden unter den Füßen. Das Abenteuer Turmbesteigung überstanden alle - auch die Helfer - gottlob unbeschadet. Ein vom Landesdirektor angeforderter Hubschrauber der amerikanischen Schutzmacht brauchte nicht mehr eingesetzt werden.
Fazit dieses Ausfluges: Eine verstörte Besuchergruppe, ein demolierter Fahrstuhl, ein siebenstündiger Einsatz von rund 35 Feuerwehrleuten und mehreren Polizeiwagen. (19.05.1979)
Die Sprengung des Rundfunkmastes, dessen Eigentümer die Deutschen Telekommunisten sind, ist nach Informationen des Tagesspiegel vom 3. November 2008 bei der zuständigen Bezirksverwaltung Reinickendorf beantragt worden und später stattgegeben worden. Allerdings gestaltet sich nach den Weisheiten der B.Z. vom 24. Januar die Sprengung schwieriger als erwartet:
Zunächst sollte der Funkturm im Frohnauer Forst im Dezember 2008 fallen, doch
dafür war das Wetter zu schlecht. Auch ein neuer Termin am 18. Januar
verstrich ungenutzt. Der Leiter des Reinickendorfer Bauaufsichtsamts, Jürgen
Baldow, nannte dafür die Kältewelle der vergangenen Wochen als Grund. "Der
Turm war so stark vereist, dass die Vorbereitungsarbeiten abgebrochen werden
mussten." Die Sprengfirma habe entschieden, ihre Leute vom Turm zu
holen, so Baldow.
Neuer Termin ist jetzt am 8. Februar, so die Forstverwaltung.
Allerdings drängt die Zeit, denn:
Der Turm muss vor dem 1. März abgerissen werden, weil dann laut Berliner Naturschutzgesetz die gesetzliche Brut- und Setzzeit beginnt. Dann ist ein solcher Abriss erst wieder im Oktober erlaubt.
Um dieses West-Berliner Wahrzeichen zumindest erdnah zu besichtigen, bleibt also noch bis mindestens Sonntag Zeit, schließlich ist nach aktueller Wetterprognose von heute 14.30 Uhr ist für den vorgesehenen Sprengtermin sprengunfreundliches Wetter nicht mehr auszuschließen: Am Sonntag gibt es Schneeschauer bei 4 Grad am Tag und 1 Grad in der Nacht.
Ein Reh hat es erwischt. Durch Unruhe im Wald aufgescheucht, ist es in einem Zaun verletzt hängen geblieben. Es erhält, wie kurz zuvor der Turm, den Gnadenschuss.
Hier spricht Sprengmeister Martin Hopfe aus Thüringen (typisch!!), der für die Sprengung auf Weltniveau verantwortlich zeichnete:
Julia Marmulla (26) war extra aus Glienicke gekommen: „Ich will Abschied von
meinem Turm nehmen. Schade, dass es ihn nun nicht mehr gibt. Ich habe ihn
immer von zu Hause blinken sehen.“
Fotos, Videos und die Erinnerung – das ist alles, was von dem Turm bleibt, den so mancher Berliner und Brandenburger in sein Herz geschlossen hatte. Einem Stahl-Giganten, den man schon 40 Kilometer vor Berlin sah, wenn man von der Ostsee kam.
und die Berliner Morgenpost findet: Bumm - da fiel der Funkturm Frohnau um und ergänzt:
Vor allem fehlt jetzt jedem Radler und Wanderer der sich in dern Berlin-Brandenburger Forsten verirrt das untrügliche Orientierungszeichen, wenn mal wieder das GPS am Navigationsgerät ausfallen sollte, wie zutreffend bereits Funkmast-Architekt Werner Hampel meint, auch er wenn nicht besonders traurig ist:"Ich sehe das als
technischen Vorgang", sagt er. "Es ist nur ein bisschen Nostalgie
dabei." Vermissen wird er den Turm trotzdem. "Mir fehlt der
weithin sichtbare Orientierungspunkt, wenn ich nach Berlin fahre." So
wird es vielen Berlinern gehen - in Ost und West. (Berliner Morgenpost, 07.02.2009)
Allein diese Tatsache würde ein
Volksbegehren für den Wiederaufbau des Sendemastes der Richtfunkanlage Berlin-Frohnau
rechtfertigen, worüber Leiwandesk demnächst hoffentlich nicht mehr berichten muss...